Neuigkeiten

Die Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin sind entsetzt über den Krieg mitten in Europa! Wir fordern den sofortigen Stopp aller Angriffe und Schutz für die Zivilbevölkerung! Frauen und Kinder sind Opfer und auch Krankenhäuser Ziele des Krieges! 

Wir rufen auf, den Schwächsten - Schwangeren und Neugeborenen - in der Ukraine zu helfen und mit der Deutschen Stiftung Kranke Neugeborene überlebenswichtige Medikamente für die Ukraine zu finanzieren. Überweisen Sie Ihre Spende bitte jetzt an die Stiftung unter 

gut.org
Verwendungszweck: 
3851261
IBAN: DE14 6727 0003 0088 880032   
BIC: DEUTDESM672 
Kennwort #DGPM

oder direkt über 

https://www.betterplace.org/de/projects/106791?utm_campaign=user_share&utm_medium=ppp_stats&utm_source=Link

Wir danken für jede Spende

Prof. Mario Rüdiger                      Prof. Ekkehard Schleußner

DGPM Vizepräsident                    DGPM Präsident

RÜCKBLICK und AUSBLICK 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, 

Im Moment, wo ich diesen Newsletter schreibe, tobt Krieg mitten in Europa - für mich noch vor wenigen Wochen unvorstellbar! Es leiden die Menschen in der Ukraine wie auf der Flucht und wir versuchen aus Deutschland zu helfen - so gut es eben geht. Die DGPM unterstützt ein konkretes Hilfsprojekt der Deutschen Stiftung Kranke Neugeborene für Kinderkliniken in der Ukraine. https://www.betterplace.org/de/projects/106791?utm_campaign=user_share&utm_medium=ppp_stats&utm_source=Link 
Doch ich weiß nicht, wie die Situation ist, wenn Sie das lesen… hoffentlich ist Frieden! 

DGPM Aktivitäten während der COVID-19 Pandemie 

Aber die ganzen letzten Jahre sind von besonderen Herausforderungen für alle und auch die DGPM geprägt worden. Seit nun schon zwei Jahren wird unserer Leben und Handeln durch die COVID-Pandemie geprägt. Schon früh hat sich die DGPM gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften mit praktischen Empfehlungen für unser Handeln im Kreißsaal, auf Wochenstation, zum Stillen und Schutz der Neugeborenen zu Wort gemeldet. Diese sind inzwischen bereits dreimal aktualisiert worden – zuletzt zum DGPM-Kongress im November 2021 – und sind auf unserer homepage wie auch in der ZGN zu finden. Die DGPM war mit den Professoren Pecks und Schleußner in einer Arbeitsgruppe der STIKO vertreten, die endlich im September 2021 auch die STIKO-Empfehlung für Impfungen von Schwangeren und Stillenden durchsetzen konnte. Ein außerordentlicher Erfolg ist das im April 2020 durch die DGPM etablierte CRONOS-Register für SARS-CoV2-infizierte Schwangere, in dem schon über 5.000 Fälle registriert wurden. Bei CRONOS arbeiten über 100 Klinken aus ganz Deutschland und Österreich mit. Die Analysen vom Team um Prof. Pecks können so verlässliche deutsche Daten zur Verfügung stellen.   

Doch auch auf anderen Bereichen war die Kompetenz unserer Gesellschaft gefragt – über 80 Anfragen für Stellungnahmen und Leitlinienverfahren wurden vom Vorstand in den letzten 2 Jahren bearbeitet. Und durch Prof. Rossi wurde die von der DGPM initiierte Leitlinie zur „Struktur der perinatologischen Versorgung in Deutschland“ in einem intensiven Prozess erfolgreich aktualisiert.  

30. Kongress der DGPM digital 2021  

Im November 2021 fand der 30. Kongress unserer Gesellschaft pandemiebedingt in digitaler Form statt. Fast 1000 Teilnehmer aus Deutschland und dem europäischen Ausland diskutierten in den 4 Tagen über fachliche Fragen, aber auch über die großen Herausforderungen unserer Zeit. Natürlich spielten die Erkenntnisse zur Covid-19 in mehreren Sitzungen eine große Rolle, aber auch die Auswirkungen der Digitalisierung oder der demographischen Veränderung auf die Perinatologie wurden diskutiert. Eine Hauptsitzung widmete sich den Folgen der Klimakrise auf Schwangerschaftskomplikationen und Gesundheit von Mutter und Neugeborenem.  

Mitgliederversammlung und Vorstandswahlen 2021 

In der Mitgliederversammlung der DGPM wurde dem bisherigen Präsidenten Prof. Rolf Schlösser für die herausragende Arbeit herzlich gedankt und die ausscheidenden langjährigen Vorstandsmitglieder Prof. Rolf Maier und Prof. Rainer Rossi mit großem Dank verabschiedet. Neu in den Vorstand wurden Frau Prof. Angela Köninger, Regensburg, und Prof. Holm Schneider, Erlangen, gewählt.  

Nach einem Beschluss von 2019 werden in 2022 die Kosten für den Bezug der ZGN um 3 € steigen. Damit erhöht sich der jährliche Beitrag auf 68 €. Mitglieder mit einer erteilten Einzugsermächtigung müssen sich um nichts kümmern, den anderen Mitgliedern sei die Umstellung auf diese unkomplizierte Form der Beitragszahlung empfohlen, da Sie damit auch die 10 € Bearbeitungsgebühr sparen können! 

Durch den neuen Präsidenten wurden die Aufgaben der kommenden Jahre umrissen. Diese liegen vor allem in der Sicherung einer hohen Qualität der Perinatologischen Versorgung in Zeiten von Mindestmengen, Personalmangel und Zentralisierung. Unsere Gesellschaft wird sich mit ihrer fachlichen Kompetenz auch in Zukunft aktiv in die gesellschaftlichen Diskussionen einmischen – im Interesse der uns anvertrauten schwangeren Frauen und deren Kindern! 

Es gibt viel zu tun – gemeinsam packen wir es an! 

Ihr  

Prof. Ekkehard  Schleußner 

Präsident der DGPM 

Wird eine COVID-19-Impfung generell für Schwangere, Stillende und Frauen mit Kinderwunsch empfohlen?

Schwangere Frauen können im Rahmen informierter partizipativer Entscheidungsfindung gegen SARS-CoV-2/COVID-19 geimpft werden. Die Impfung von Frauen mit Kinderwunsch und von Stillenden wird empfohlen. Die Sächsische Impfkommission (SIKO) empfiehlt eine generelle Impfung für schwangere Frauen. Ergänzend und in Einklang mit den gültigen STIKO-Empfehlungen empfehlen die medizinischen Fachgesellschaften, schwangere Frauen zu impfen. Zuvor soll eine offene und ausführliche Beratung zu persönlichen Expositions-, Infektions- und Erkrankungsrisiken, sowie zu möglichen persönlichen SARS-CoV-2/COVID-19-assoziierten Schwangerschaftsrisiken und der verfügbaren aber begrenzten Datenlage erfolgen.

Worauf stützt sich die Empfehlung der Fachgesellschaften?

Die Impfung bietet eine sehr wirksame Möglichkeit zur Vermeidung einer Infektion mit SARS-CoV-2 und einer COVID-19 Erkrankung in der Schwangerschaft und damit von schweren Erkrankungsverläufen mit Komplikationen für Mutter und Kind. Das Risiko im Falle einer Infektion in der Schwangerschaft schwer zu erkranken ist deutlich erhöht. Bisherige Nachbeobachtungsdaten zeigen keine speziellen oder vermehrten impfungs- oder schwangerschaftsassoziierten Risiken einer Impfung gegen COVID-19. Die Immunreaktion nach Impfung in der Schwangerschaft und Stillzeit, sowie der Nachweis von Antikörpern im Nabelschnurblut von Kindern geimpfter Mütter sowie in der Muttermilch wurden in ersten Arbeiten gezeigt.i Eine Leihimmunität, auch Nestschutz genannt, kann hierdurch ermöglicht werden.

Unterscheidet sich die Empfehlung in Bezug auf die Impfstofftypen: mRNA-basiert (BioNTech/Pfizer, Moderna) und Vektor-basiert (AstraZeneca, Johnson & Johnson)?

Da sich die derzeit verfügbaren Veröffentlichungen zu Sicherheit, Verträglichkeit und Wirkung der COVID-19-Impfung überwiegend auf mRNA-basierte Impfstoffe beziehen, geht die Empfehlung der Fachgesellschaften zu mRNA-Impfstoffen. Eine grundsätzliche Differenzierung oder Bevorzugung eines Impfstoffes kann jedoch aufgrund der Datenlage und der fehlenden Wahlfreiheit bei limitierten Impfressourcen derzeit nicht abschließend gegeben werden. Die individuelle patientinnenbezogene Beratung im professionellen ärztlichen Gespräch ist hier unabdingbar, auch um die wöchentlich zunehmenden neuen Erkenntnisse berücksichtigen zu können. An dieser Stelle sollte zusätzlich die aktuelle STIKO-Empfehlung zu den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen berücksichtigt werden.

Welche Daten gibt es zu einer möglichen COVID-19-Erkrankung während der Schwangerschaft oder Stillzeit?

Schwangere Frauen weisen im Falle einer SARS-CoV-2-Infektion ein erhöhtes Risiko auf, schwere Verläufe der COVID-19-Erkrankung, mit erhöhter Wahrscheinlichkeit einer intensivmedizinischen Therapie und Beatmungsnotwendigkeit sowie eine erhöhte Mortalität auf.ii Vorbestehende Risikofaktoren (mütterliches Alter > 35 Jahre, hoher BMI, chronischer Hypertonus, vorbestehender Diabetes) begünstigen zudem schwere Erkrankungsverläufen in der Schwangerschaft.iii Die Infektion mit SARS-CoV-2 bzw. eine COVID-19-Erkrankung geht mit einer erhöhten Häufigkeit von Schwangerschaftskomplikationen einher (z.B. Frühgeburtlichkeit, Präeklampsie).iv

Wie können sich Schwangere derzeit in Deutschland impfen lassen?

Es bestehen derzeit keine klar vordefinierten Strukturen. Eine Beratung durch den behandelnden Frauenarzt oder die behandelnde Frauenärztin und die individuelle Vereinbarung einer Impfung in einem Impfzentrum oder bei einem impfenden Arzt (z.B. Hausarzt, Betriebsarzt) ist der derzeit mögliche Weg. Die realen Hürden und Herausforderungen können dabei im Einzelfall und je nach Region sehr unterschiedlich sein und verlangen mitunter Geduld. Eine Priorisierung von Schwangeren für die Impfung wie in unseren Nachbarländern besteht in Deutschland nicht.

Ab welcher Schwangerschaftswoche sollte die Impfung während der Schwangerschaft durchgeführt werden?

Die Datenlage erlaubt derzeit keine Aussage zu einem optimalen Impfzeitpunkt, also weder für noch gegen einen bestimmten Zeitraum. Die verfügbaren Untersuchungen beziehen sich zumeist auf Impfungen im (zweiten und) dritten Schwangerschaftsdrittel und die ausgetragenen Schwangerschaften. In der Routine als praktikabel erscheint es sinnvoll, ab dem zweiten Schwanfgerschaftsdrittel (> 12. Woche) zu impfen, da die fetale Organbildung dann weitestgehend abgeschlossen ist. So lautet auch die aktuelle STIKO-Empfehlung. Die SIKO (Sächsische Impfkommission) empfiehlt eine Impfung "optimal 20.-24. Schwangerschaftswochen".

Gibt es einen empfohlenen Abstand zwischen der Geburt des Kindes und der Impfung der Mutter?

Es gibt hierzu keine bekannten Daten. Wir empfehlen in der Beratung entbundener Frauen eine Impfung sobald als möglich und gewünscht. Dies ergibt sich vielfach durch das Wochenbett selbst sowie die Impfstoffverfügbarkeit.

Welche Vorerkrankungen werden bei Schwangeren anerkannt?

Es gibt dafür keinen „Risikokatalog“. Berücksichtigt müssen die oben erwähnten Risikofaktoren wie Adipositas, vorbestehende Herz-Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck, vorbestehender und Schwangerschafts-Diabetes, aber auch die persönliche Gesamtkonstellation mit dem Ansteckungsrisiko im Beruf oder durch Kinder in der Familie. Eine Beratung durch den behandelnde/n FrauenärztIn und die individuelle Vereinbarung einer Impfung in einem Impfzentrum oder bei einem impfenden Arzt/Ärztin ist dafür zu empfehlen.

Kann die Impfung mit einem mRNA-basierten Impfstoff den Schutz auf das Kind übertragen?

Die Leihimmunität, der sog. "Nestschutz" über einen transplazentaren Übertritt mütterlicher Antikörper kann einen Schutz des Kindes ermöglichen. SARS-CoV-2-Antikörper im Nabelschnurblut von Kindern geimpfter Mütter sind mehrfach nachgewiesen worden.v Dies ist ein passiver Schutz, der das Kind nicht befähigt eigene Antikörper zu bilden, sondern nur so lange anhält, wie die Antikörper vorhanden sind. Auch in der Muttermilch sind Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen worden. vi Die passive Schutzwirkung des Stillens wirkt über den lokalen Schutz in den Schleimhäuten des Mund-Rachen-Magen-Darm-Traktes sowie der Atemwege

Warum haben die Impfstoffhersteller in ihren Studien die Teilnahme von schwangeren und stillenden Frauen ausgeschlossen?

Der Ausschluss schwangerer und stillender Frauen in Erstzulassungsstudien ist leider nicht unüblich, erfolgt zumeist aus Vorsicht, und beruht nicht auf einem begründeten oder belegten Risiko für diese Zielgruppe. Es gilt für die derzeitig zugelassenen COVID-19-Impfstoffe, dass zulassungsrelevante sogenannte DART (developmental and reproductive toxicology) Studien vorliegen (siehe die jeweiligen Assessment-Reports z.B. der EMA). Zudem werden seitens der Hersteller „aus Versehen geimpfte“ Schwangere oder nach Impfung im Nachbeobachtungszeitraum eingetretene Schwangerschaften nachverfolgt.

Gibt es in Deutschland Studien im Rahmen derer man sich als Schwangere impfen lassen kann?

Die derzeit rekrutierende Phase II/III Studie der Firma BioNTech/Pfizer rekrutiert in Deutschland leider keine Patientinnen. Lokale Beobachtungsstudien an geimpften Schwangeren sind verfügbar und können bei dem Beratungsgespräch erfragt werden. Bundesweit besteht die Möglichkeit Ihre personenbezogenen Daten dem CRONOS-Register der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) zur Verfügung stellen, da dieses neben infizierten und erkrankten Schwangeren auch geimpfte Schwangere einschließt. Gleiches gilt für das EMBRYOTOX-Register, das Ihnen eine gute Möglichkeit bietet den Wissenszuwachs zu unterstützen.

Inwiefern wäre es aktuell sinnvoll, die offizielle STIKO-Impfempfehlung zu ändern, um auch schwangeren Frauen eine COVID-19-Impfung ermöglichen?

Bereits jetzt können Schwangere und Stillende eine COVID-19-Impfung erhalten. Es werden sämtliche Erkenntnisse - positiv wie negativ - in den Beratungen der STIKO sowie in der stetigen Überarbeitung der Empfehlungen und Stellungnahmen zur Impfung Schwangerer, Stillender und Frauen mit Kinderwunsch diskutiert und berücksichtigt. Grundsätzlich sollten Schwangere nicht von Impfprogrammen ausgeschlossen werden. Vielmehr sollte insbesondere Schwangeren mit Vorerkrankungen, einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 oder hohem Expositionsrisiko gegenüber einer SARS-CoV-2-Infektion die Impfung nach einer Nutzen-Risiko-Abwägung und ausführlichen Aufklärung angeboten werden.

i Gray et al. „COVID-19 vaccine response in pregnant and lactating women: a cohort study”, Kelly et al. “Anti-SARS-CoV-2 antibodies induced in breast milk after Pfizer-BioNTech/BNT162b2 vaccination” doi: doi.org/10.1016/j.ajog.2021.03.023

ii Oakes et al. „Pregnancy as a risk factor for severe coronavirus disease 2019 using standardized clinical criteria“ dx.doi.org/10.1016/j.ajogmf.2021.100319 , Jering et al. “Clinical Characteristics and Outcomes of Hospitalized Women Giving Birth With and Without COVID-19” doi:10.1001/jamainternmed.2020.9241, Mullins et al. “Pregnancy and neonatal outcomes of COVID-19: co-reporting of common outcomes from PAN-COVID and AAP SONPM registries” doi: 10.1002/uog.23619, D´Antonio et al. “Maternal and perinatal outcomes in high vs low risk-pregnancies affected by SARS-COV-2 infection (Phase-2): The WAPM (World Association of Perinatal Medicine) working group on COVID-19”https://doi.org/10.1016/j.ajogmf.2021.100329 , Lokken et al. “Higher severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 infection rate in pregnant patients” https://doi.org/10.1016/j.ajog.2021.02.011

iii Allotey et al. „ Clinical manifestations, risk factors, and maternal and perinatal outcomes of coronavirus disease 2019 in pregnancy: living systematic review and meta-analysis” doi: doi.org/10.1136/bmj.m3320, Khoury et al. “Characteristics and Outcomes of 241 Births to Women With Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2 (SARS-CoV-2) Infection at Five New York City Medical Centers” doi: 10.1097/AOG.000000000000402

Wei et al. „The impact of COVID-19 on pregnancy outcomes: a systematic review and meta-analysis“ doi: 10.1503/cmaj.202604;, Mullins et al. “Pregnancy and neonatal outcomes of COVID-19: co-reporting of common outcomes from PAN-COVID and AAP SONPM registries” doi:10.1002/uog.23619

Atyeo et al. “COVID-19 mRNA vaccines drive differential Fc-functional profiles in pregnant, lactating,

and non-pregnant women“ Version 1. bioRxiv. Preprint. 2021 Apr 5. doi: 10.1101/2021.04.04.438404, Gray KJ, Bordt EA, Atyeo C, Deriso E, Akinwunmi B, Young N, et al. COVID-19 vaccine response in pregnant and lactating women: a cohort study. Am J Obstet Gynecol. 2021, Mithal et al. Cord blood antibodies following maternal coronavirus disease 2019 vaccination during pregnancy, Am J Obstet Gynecol. 2021 Apr 1;S0002-9378(21)00215-5. doi: 10.1016/j.ajog.2021.03.035.

Gray KJ, Bordt EA, Atyeo C, Deriso E, Akinwunmi B, Young N, et al. COVID-19 vaccine response in pregnant and lactating women: a cohort study. Am J Obstet Gynecol. 2021, Kelly JC, Carter EB, Raghuraman N, Nolan LS, Gong Q, Lewis AN, et al. Anti-severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 antibodies induced in breast milk after Pfizer-BioNTech/BNT162b2 vaccination. Am J Obstet Gynecol. 2021

 „Vater der Perinatalen Medizin“ und Gründungspräsident                       

der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) e.V.

und der

Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin (DGPGM) e.V.

Am 07.11.2021 verstarb Prof. Dr. med. Dr. med. h.c. (mult.) Erich Saling in seinem 97. Lebensjahr. Als „Vater des Faches“ hat er weit über seine aktive berufliche Karriere hinaus bis ins hohe Alter die Perinatal- und Geburtsmedizin – als deren Begründer er national wie international gilt - mitbestimmt.

Die Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) e.V. und die Dt. Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin (DGPGM) e.V. nehmen in großer Trauer Abschied von ihrem Gründungspräsidenten und möchten sein Lebenswerk würdigen!

Erich Saling wurde am 21. Juli 1925 geboren. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er ab 1946 Medizin an der Universität Jena, von wo er auf Grund politischer Verfolgung nach West-Berlin an die Freie Universität wechseln musste. Dort wurde er 1952 promoviert und wurde als Arzt approbiert.

Nach seiner Assistentenzeit in der ehemaligen Landesfrauenklinik Berlin-Neukölln (jetzt Vivantes Klinikum Neukölln) erlangte er 1958 die Anerkennung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

Außerhalb des akademischen Milieus begann er dort neben seiner medizinischen Ausbildung auch wissenschaftlich aktiv zu arbeiten und wurde im Jahr 1963 an seiner Alma Mater, der Freien Universität Berlin, habilitiert und im Jahr 1968 zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

1976 wurde Erich Saling Chefarzt der neu geschaffenen Abteilung für Geburtsmedizin an der Frauenklinik Berlin-Neukölln und zum Direktor des für ihn begründeten Instituts für Perinatale Medizin der FU Berlin ernannt. Im Jahr 1987 wurde er zum C4-Professor für Perinatale Medizin der Freien Universität Berlin berufen.

Auch nach seiner Emeritierung als Universitätsprofessor im Jahr 1991 blieb Erich Saling in dem von ihm 1993 gegründeten „Erich Saling Institut für Perinatale Medizin e.V.“ aktiv.

Mit seinen mehr als 600 wissenschaftlichen Veröffentlichungen und seinen technischen Innovationen im Bereich der Perinatalmedizin schuf er die Basis für unser Verständnis der feto-maternalen Medizin und trug entscheidend zum Verständnis der intrauterinen (Patho-)Physiologie bei.

1973 gründete er die erste internationale Zeitschrift auf dem Gebiet der perinatalen Medizin, das „Journal of Perinatal Medicine“.

Erich Saling setzte sich im Rahmen der Aus- und Weiterbildung sowie berufspolitisch persistent für die Entwicklung der Pränatal- und Geburtsmedizin ein: so gründete er 1967 mit der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) e.V. - die erste nationale Gesellschaft auf dem Gebiet der Perinatalen Medizin und etablierte den international renommierten „Kongress für Perinatale Medizin“ in Berlin, der in einigen Tagen zum 30. Mal stattfinden wird.

Im Jahr 1968 gründete er die erste internationale Gesellschaft für Perinatale Medizin, die European Association of Perinatal Medicine (EAPM) und 1990 die Deutsche Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin (DGPGM) e.V.

Von der Gründung der „International Academy of Perinatal Medicine“ (IAPM) im Mai 2005 bis November 2015 war Erich Saling deren erster Präsident. Seit 2016 war er „Lifelong President of the World Association of Perinatal Medicine (WAPM)“. Erich Saling war Ehrenmitglied in zahlreichen nationalen und internationalen Gesellschaften.

Seine wissenschaftlichen und beruflichen Leistungen wurden mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen und Auszeichnungen geehrt. Um nur einige zu nennen: Er erhielt den Maternité-Preis der DGPM (1974), die Goldmedallie der Haackert-Stiftung (1991), den William Liley-Preis der International Society „Fetus as a Patient“ (1997), die Carl Kaufmann Medaille, die höchste Auszeichnung der Dt. Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) (2006) und die Georg-Klemperer-Medaille der Ärztekammer Berlin (2013)

1988 wurde ihm die Ernst Reuter-Plakette der Stadt Berlin verliehen, im Jahr 2001 verlieh ihm Bundespräsident Johannes Rau das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Neben Ehren-Doktorwürden der Democritus-Universität in Alexandroupolis (Griechenland) und der Universidad de la República oriental in Montevideo (Uruguay), erhielt Erich Saling 2016 die Ehrenprofessur der Pirogov Russian National Research Medical University (Moskau) sowie 2017 die Ehrenprofessur des Medical Institute of Surgut State University (Russland).

Im zu Ehren gründete die WAPM den „Erich Saling Perinatal Prize“, der anlässlich des Weltkongresses der WAPM verliehen wird.

Die DGPM wird auf Ihrem 30. Kongress für Perinatale Medizin in wenigen Tagen ihrem Gründungsvater ehrend gedenken. Wieder wird die „Erich Saling-Lecture“ durch einen herausragenden Vertreter unseres Faches gehalten. Noch von ihm selbst dafür mit nominiert, wird Prof. Dr Ulrich Gembruch, Bonn, diese Vorlesung in seinem Sinne übernehmen.

Wir, seine Schüler und Nachfolger werden Erich Saling als kompetenten und engagierten Perinatalmediziner, Frauenarzt und Geburtshelfer in bleibender Erinnerung behalten.

Mit ihm hat die Geburtshilfe und Perinatale Medizin einen der ganz Großen verloren, an dessen Maßstäben wir uns auch in der Zukunft messen lassen werden!

Prof. Dr. Rolf Schlösser             PD. Dr. Dietmar Schlembach                      Prof. Dr. Ekkehard Schleußner
Präsident der DGPM                  Präsident der DGPGM                                  Vizepräsident der DGPM

Empfehlung für schwangere und stillenden Frauen

Eine Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin e.V. (DGPGM), der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin e.V. (DGPM) sowie der Nationalen Stillkommission (NSK)

unterstützt durch den Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF)

Zur vollständigen Stellungnahme

Aktualisierte Empfehlungen zu SARS-CoV-2/COVID-19

im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett

Berlin, im November 2021 Die geburtshilflichen und pädiatrischen Fachgesellschaften haben ihre Empfehlungen zur Versorgung infizierter Schwangerer und deren Neugeborenen aktualisiert. Nach 21 Monaten COVID-19-Pandemie hat die wissenschaftliche Datenlage zahlreiche neue Erkenntnisse hervorgebracht, die von der AutorInnengruppe jetzt in einem umfangreichen Update zusammengetragen wurden.

Zur vollständigen Pressemitteilung

Das vorliegende Update versteht sich als Fortschreibung der bereits publizierten Empfehlungen der deutschen geburtshilflichen und pädiatrischen Fachgesellschaften zur Versorgung infizierter Schwangerer und deren Neugeborenen. In zwei Teilen werden

  1. PRAKTISCHE EMPFEHLUNGEN mit jeweiliger kurzer Erläuterung sowie
  2. HINTERGRUNDINFORMATIONEN als Review des aktuellen Wissenstandes über SARS- CoV-2/COVID-19 in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett dargestellt.

Das Update nimmt Stellung zu den Kernfragen der prä-, peri- und postnatalen Betreuung bei SARS-CoV-2 und COVID-19, auf Grundlage der bis 09/2021 verfügbaren Publikationen, der CRONOS-Registerdaten bis 08/21 sowie der gültigen STIKO- und RKI-Empfehlungen und wird im Konsens der nachfolgenden Fachgesellschaften getragen:

Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin e. V. (DGPM)

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) Deutsche Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin e. V. (DGPGM) Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e. V. (DGPI) Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin e. V. (GNPI)
Nationale Stillkommission (NSK)

Die Stellungnahmen basieren auf einem sorgfältig abgestimmten Expert:Innenkonsens und können sich – insofern neue Erkenntnisse veröffentlicht werden – zeitnah ändern. Die Verantwortung für das konkrete Vorgehen bleibt bei dem vor Ort medizinisch betreuenden Team, dessen Entscheidungen durch diese Empfehlung unterstützt werden sollen.

 

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Berlin, im Juni 2021 – Der Wunsch der schwangeren und stillenden Frauen in Deutschland nach einer COVID-19 Impfung ist bundesweit groß und aus medizinischer Sicht auch aus unterschiedlichen Gründen berechtigt. Die wissenschaftliche Datenlage zeigt, dass eine COVID-19-Erkrankung in der Schwangerschaft eine ernsthafte Gefahr für Mutter und Kind darstellen kann. So liegt allein das Frühgeburtsrisiko bei COVID-19 positiv getesteten Frauen bis zu 80 % höher, als bei gesunden Schwangeren. Hinzu kommen zahlreiche weitere Risiken für die nicht geimpfte erkrankte Mutter und ihr ungeborenes Kind.

Dennoch besteht bei ÄrztInnen – auch in den Impfzentren – trotz der Empfehlungen der gynäkologischen Fachverbände1 und der unterstützenden Aussage der maßgeblichen Ständigen Impfkommission (STIKO)2 eine große Unsicherheit hinsichtlich haftungsrechtlicher Fragen. Diese Unsicherheit führte bisher dazu, dass Schwangere trotz eindeutiger Risikosituation nur einen erschwerten Zugang zur Impfung gegen COVID-19 erhalten haben. Nun schafft eine Stellungnahme der STIKO3 hier endlich Klarheit.

STIKO hebt Impfung von Schwangeren explizit hervor

„Für gesundheitliche Schäden im Zusammenhang mit einer COVID-19-Impfung wird auch dann auf der Grundlage von § 60 IfSG eine staatliche Entschädigung geleistet, wenn diese nicht öffentlich von einer Landesbehörde empfohlen worden ist - d.h. in der Regel auch, wenn die Impfung nicht von der STIKO empfohlen ist. Dies umfasst z.B. die Einzelfallentscheidung bei der Impfung von Schwangeren oder Jugendlichen ohne Indikationsimpfempfehlung zwischen 12 und 17 Jahren“, schreibt die STIKO in ihrem FAQ-Bereich mit Datum vom 17. Juni 2021.

Anspruch auf Entschädigung im Infektionsschutzgesetz geregelt

So wurde gemäß dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) mit dem Zweiten Gesetz zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes in § 60 IfSG4 klargestellt, dass für alle gesundheitlichen Schäden, die im Zusammenhang mit Schutzimpfungen eingetreten sind, die auf Grundlage der Coronavirus-Impfverordnung seit 27. Dezember 2020 vorgenommen wurden, bundeseinheitlich ein Anspruch auf Entschädigung besteht. Das BMG bestätigt, dass der Anspruch unabhängig von den öffentlichen Empfehlungen der Landesbehörden besteht.

„Wir begrüßen diese ersehnte Klarstellung zur Haftungsfrage ausdrücklich“, kommentiert Prof. Ekkehard Schleußner, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM e. V.), stellvertretend für die wissenschaftlichen gynäkologischen Fachgesellschaften. Zugleich betont er noch einmal den Zusatznutzen der Impfung für den Säugling: „Wir wissen heute bereits, dass die mütterlichen Antikörper auch einen Infektionsschutz, eine sogenannte Leihimmunität, für das Neugeborene bewirken können. Damit bietet die COVID-19-Schutzimpfung für schwangere und stillende Frauen mit einem mRNA-basiertem Impfstoff nachweislich Vorteile für Mutter und Kind sowohl vor als auch nach der Geburt.“


Quellen:

1
https://www.dggg.de/leitlinien-stellungnahmen/stellungnahmen/empfehlung-der-covid-19-impfung-fuer-schwangere-und-stillende-frauen-1347/

2
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/19_21.pdf?__blob=publicationFile         

3
https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/gesamt.html          

4
https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__60.html


Pressekontakt

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG)
Sara Schönborn I Heiko Hohenhaus I Katja Mader
Tel.: 030 / 514 88 33 33
E-Mail: presse@dggg.de

Die Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin e. V. (DGPM)

Die DGPM e. V. ist die älteste und mit Abstand größte Fachgesellschaft für das interdisziplinäre Gebiet "Perinatale Medizin" (Geburtshilfe/ Neonatologie und Nachbargebiete) im deutschsprachigen Raum.  Aktuelle Entwicklungen des Faches im wissenschaftlichen oder politischen Bereich werden von der Gesellschaft unmittelbar durch Publikationen oder öffentliche Stellungnahmen begleitet.

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG)

Die DGGG e. V. ist eine der großen wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie hat sich der Stärkung der Fachgebiete der Frauenheilkunde und Geburtshilfe verschrieben und fördert das gesamte Fach und seine Subdisziplinen, um die Einheit des Faches Frauenheilkunde und Geburtshilfe weiter zu entwickeln. Als medizinische Fachgesellschaft engagiert sich die DGGG fortwährend für die Gesundheit von Frauen und vertritt die gesundheitlichen Bedürfnisse der Frau auch in diversen politischen Gremien.

DGPM, 07.05.2021

Vor einem Jahr etablierte die Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) das CRONOS-Register, um Auswirkungen von Covid-19 für Schwangere und deren Neugeborene zu erfassen. Mittlerweile wurden von mehr als 2000 Schwangeren in Deutschland Daten erhoben. Die gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen wissenschaftliche Empfehlungen für die Betreuung der Schwangeren, die auf das deutsche Gesundheitssystem abgestimmt sind.

Mehr als 2000 während der Schwangerschaft positiv auf SARS-CoV-2 getestete Frauen wurden in dem CRONOS-Register der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) erfasst. Bereits sehr frühzeitig hat die DGPM erkannt, dass für wissenschaftlich fundierte Behandlungsempfehlungen zum Umgang mit einer SARS-CoV-2-Infektion Daten aus Deutschland eine wichtige Voraussetzung sind. Das wenige Monate vorher von Prof. Dr. Ulrich Pecks und Prof. Dr. Mario Rüdiger etablierte Forschungsnetzwerk der DGPM bildete die optimale Voraussetzung. Innerhalb kürzester Zeit wurden ehrenamtlich die Voraussetzungen für das Register geschaffen, in dem mittlerweile mehr als 150 Kliniken in Deutschland registriert sind. In diesen Kliniken kamen 2020 insgesamt mehr als 180.000 Kinder und damit über 25% aller Neugeborenen in Deutschland zur Welt. „Wichtig war uns, dass wir als interdisziplinäre Fachgesellschaft nicht nur Daten der Schwangeren erfassen, sondern auch Aussagen zu den Auswirkungen auf das Neugeborene machen können“, so Prof. Dr. Pecks, Leiter der Geburtshilfe am Universitätsklinikum Kiel. Mittlerweile sind 1619 Neugeborene SARS-CoV-2-infizierter Schwangerer geboren. „Wir können die Frauen, die während der Schwangerschaft positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, etwas beruhigen; weniger als 5 von 100 Neugeborenen wurden nach der Geburt positiv auf SARS-CoV-2 getestet und nur sehr wenige sind ernsthaft erkrankt“ so Prof. Dr. Rüdiger, Neugeborenenmediziner und Gründungsdirektor des Zentrums für feto-neonatale Gesundheit am Dresdner Universitätsklinikum.

Allerdings zeigen die Daten auch, dass eine Infektion in der Schwangerschaft mit schweren Verläufen von COVID-19 für die Betroffene einhergehen und somit eine Gefahr für die Schwangere darstellen kann. „Aktuelle Presse-Berichte aus der Uniklinik in Hamburg zu sehr schweren Verläufen haben uns veranlasst, das CRONOS-Register erneut zu bewerten. Wir finden in ganz Deutschland zurzeit einen Anstieg sehr schwerer Verläufe, bei der die schwangeren Frauen beatmet werden müssen.“ erklärt Pecks. In absoluten Zahlen gesprochen sind dies zwar zum Glück wenige betroffene Patientinnen; jedoch im März und April 2021 mit 11 Fällen etwa doppelt so viele, wie in den Monaten davor. „Eine schlüssige Erklärung haben wir hierzu noch nicht, aber wir gehen der Sache nach“. So der Geburtshelfer weiter. Zudem wird eine erhöhte Rate an Frühgeburten beobachtet, die dann eine intensivere Beobachtung und ggf. Behandlung des Neugeborenen nach sich zieht.

Daten internationaler Studien weisen nun darauf hin, dass die Impfung gegen COVID-19 während der Schwangerschaft sicher ist und die bei einer SARS-CoV-2-Infektion vermehrt auftretenden Risiken für Mutter und Kind verhindern kann. Daher hat die DGPM, gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften, eine Empfehlung für eine Impfung während der Schwangerschaft ausgesprochen. „Diese schützt nicht nur die Schwangere. Auch bei dem Neugeborenen sind nach einer Impfung der Schwangeren die schützenden Antikörper nachweisbar.“ erklärt Rüdiger.

Aktuell wird das Register um zusätzliche Komponenten erweitert, damit sowohl die psychischen Auswirkungen von Covid-19 beurteilt werden können, aber auch Daten zur Auswirkung der Impfung während der Schwangerschaft und zu den langfristigen Konsequenzen einer Covid-19 Infektion verfügbar sind. Wenngleich das CRONOS-Register flächendeckende Daten für Deutschland liefert, die von großer Bedeutung für die Betreuung von Schwangeren und deren Neugeborenen sind, fand sich bisher keine Möglichkeit einer hinreichenden Finanzierung dieser wichtigen Infrastruktur. „Der enorme Erkenntnisgewinn, von dem die Versorgung Schwangerer in Deutschland enorm profitiert, ist einzig dem ehrenamtlichen Engagement der Beteiligten zu verdanken. Eigentlich ist es eine Blamage, dass unsere Förderanträge immer wieder abgelehnt wurden und wir auf den ehrenamtlichen Einsatz der vielen Beteiligten angewiesen sind.“ so sind sich Prof. Pecks und Prof. Rüdiger einig.

Die Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) setzt sich als interdisziplinäre wissenschaftliche Fachgesellschaft für eine leitliniengerechte und wissenschaftlich fundierte Behandlung der Schwangeren und deren Neugeborenen ein. „Uns ist es wichtig, dass wir die wissenschaftlichen Grundlagen für entsprechende Leitlinien auch hier in Deutschland generieren“, so Prof. Dr. Rolf Schlösser, Präsident der DGPM, „darum haben wir das Forschungsnetzwerk der DGPM etabliert. Allerdings ist es dafür auch notwendig, dass den Fachgesellschaften eine entsprechende Finanzierung zur Verfügung gestellt wird – nur ein ehrenamtlicher Einsatz reicht dafür nicht aus.“