Neuigkeiten

 

Infektion mit SARS-CoV-2 in der Schwangerschaft.

 

Eine Analyse klinischer Daten aus Deutschland und Österreich aus dem CRONOS-Register

Hintergrund: Im deutschen CRONOS-Register gewonnene Daten wurden verwendet, um das Risiko für einen komplizierten COVID-19-Verlauf bei einer SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft unter besonderer Berücksichtigung der Schwangerschaftswoche und des Impfstatus sowie der Dynamik der Pandemie zu bewerten.

Methode: Daten aus zwei Erhebungsperioden (1. Periode 03/2020 bis 08/2021, 2. Periode 01/2022 bis 06/2022) der prospektiven Klinik-basierten Beobachtungsstudie CRONOS (DRKS00021208) wurden mit logistischen Regressionsmodellen untersucht. Für relevante COVID-19-spezifische Ereignisse innerhalb von vier Wochen nach positivem Testergebnis wurden Odds Ratios zum Vergleich zwischen 32 versus 22 Schwangerschaftswochen berechnet.

Ergebnisse: Daten zu 3 481 Frauen wurden ausgewertet. Das Risiko war für alle definierten COVID-19-spezifischen Ereignisse bei Erkrankung im ersten Trimester gering und nahm mit steigendem Schwangerschaftsalter bis zum frühen dritten Trimester zu. Beispielhaft betrug die Odds Ratio für eine Hospitalisierung wegen COVID-19 bei einer Infektion in 32 versus 22 Schwangerschaftswochen 1,4 (95-%-KonfidenzintervalI: [1,2; 1,7]). Das Risiko verringerte sich im Vergleich der Erhebungsperiode 2 gegen Periode 1 (Odds Ratio [OR ] 0,66; [0,50; 0,88]). Im Vergleich geimpfter Schwangerer gegen ungeimpfte Schwangere verringerte sich das Risiko weiter (OR 0,27; [0,18; 0,41]).

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse dienen als Beratungsgrundlage für prophylaktische oder therapeutische Maßnahmen wie die Gabe monoklonaler Antikörper und untermauern die Effektivität der Impfung für schwangere Frauen in der Omikron-Periode.

zum vollständigen Artikel im Ärzteblatt

28.07.2022

Eine Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) in Zusammenarbeit mit

  • der Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der DGGG e.V. (AGG)
  • der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin e.V. (DGPM)
  • der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin e.V. (DGPGM)
  • der Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Ärztinnen und Ärzte in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe e.V. (BLFG)

In einem Schreiben hat die Firma Norgine GmbH Anfang Juli über eine unbekannte Verunreinigung an Produktproben von Angusta® 25 Mikrogramm Tabletten (Wirkstoff Misoprostol) informiert. Gleichzeitig wurden während des Ursachenfindungs- /Untersuchungsprozesses alle Produkte aus den betroffenen Chargen zurückgerufen und die Produktion vorübergehend eingestellt. Dies hat dazu geführt, dass aktuell kein zugelassenes Misoprostol-Präparat zur Geburtseinleitung am Termin zur Verfügung steht. Misoprostol ist der effektivste Wirkstoff zur Geburtseinleitung am Termin. Die fehlende Verfügbarkeit von Misoprostol führt somit zu einer schlechteren Versorgung von Schwangeren in der Geburtshilfe. Bis das zugelassene orale Misoprostol-Präparat Angusta® 25 Mikrogramm Tabletten wieder verwendet werden kann, können von Apotheken in entsprechender Dosierung hergestellte Misoprostol-Tabletten diese Versorgungslücke schließen. Diese Tabletten werden heutzutage aus dem Rohstoff Misoprostol hergestellt. Die Verwendung dieser Misoprostol-Tabletten sollte im Off-Label-Use nach entsprechender Aufklärung und Beratung unter anderem mit Hinweis auf die aktuelle Nichtverfügbarkeit des zugelassenen Produktes erfolgen.

Stellungnahme | PDF

Gemeinsame Ausschreibung der DSKN - Deutsche Stiftung Kranke Neugeborene & AG „Neonatale Erstversorgung und Reanimation“ der GNPI – Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin zur Förderung der Implementierung und/oder Erforschung von Videoaufzeichnungen im Kreißsaal und videobasiertem Debriefing von postnatalen Erstversorgungen

Einreichungsfrist des Antrags bis zum 30. September 2022, weitere Informationen unter www.dskn.org/projekte/ein-optimaler-start-im-kreisssaal

Der Geisenhofer-Preis 2022 wurde an Prof. Ulrich Pecks verliehen. Er erhielt die Auszeichnung für die Erstellung der Cronos-Register-Studie, welche die Auswirkungen einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 untersuchte. Die Urkunde und das Preisgeld von 7500 € wurden ihm auf dem Jahreskongress der Bayerischen Gesellschaft für Geburtshilfe und Gynäkologie in Würzburg überreicht.

Der Preisträger betonte, dass er den Preis stellvertretend für das gesamte CRONOS-Netzwerk entgegennimmt.

Die Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin sind entsetzt über den Krieg mitten in Europa! Wir fordern den sofortigen Stopp aller Angriffe und Schutz für die Zivilbevölkerung! Frauen und Kinder sind Opfer und auch Krankenhäuser Ziele des Krieges! 

Wir rufen auf, den Schwächsten - Schwangeren und Neugeborenen - in der Ukraine zu helfen und mit der Deutschen Stiftung Kranke Neugeborene überlebenswichtige Medikamente für die Ukraine zu finanzieren. Überweisen Sie Ihre Spende bitte jetzt an die Stiftung unter 

gut.org
Verwendungszweck: 
3851261
IBAN: DE14 6727 0003 0088 880032   
BIC: DEUTDESM672 
Kennwort #DGPM

oder direkt über 

https://www.betterplace.org/de/projects/106791?utm_campaign=user_share&utm_medium=ppp_stats&utm_source=Link

Wir danken für jede Spende

Prof. Mario Rüdiger                      Prof. Ekkehard Schleußner

DGPM Vizepräsident                    DGPM Präsident

RÜCKBLICK und AUSBLICK 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, 

Im Moment, wo ich diesen Newsletter schreibe, tobt Krieg mitten in Europa - für mich noch vor wenigen Wochen unvorstellbar! Es leiden die Menschen in der Ukraine wie auf der Flucht und wir versuchen aus Deutschland zu helfen - so gut es eben geht. Die DGPM unterstützt ein konkretes Hilfsprojekt der Deutschen Stiftung Kranke Neugeborene für Kinderkliniken in der Ukraine. https://www.betterplace.org/de/projects/106791?utm_campaign=user_share&utm_medium=ppp_stats&utm_source=Link 
Doch ich weiß nicht, wie die Situation ist, wenn Sie das lesen… hoffentlich ist Frieden! 

DGPM Aktivitäten während der COVID-19 Pandemie 

Aber die ganzen letzten Jahre sind von besonderen Herausforderungen für alle und auch die DGPM geprägt worden. Seit nun schon zwei Jahren wird unserer Leben und Handeln durch die COVID-Pandemie geprägt. Schon früh hat sich die DGPM gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften mit praktischen Empfehlungen für unser Handeln im Kreißsaal, auf Wochenstation, zum Stillen und Schutz der Neugeborenen zu Wort gemeldet. Diese sind inzwischen bereits dreimal aktualisiert worden – zuletzt zum DGPM-Kongress im November 2021 – und sind auf unserer homepage wie auch in der ZGN zu finden. Die DGPM war mit den Professoren Pecks und Schleußner in einer Arbeitsgruppe der STIKO vertreten, die endlich im September 2021 auch die STIKO-Empfehlung für Impfungen von Schwangeren und Stillenden durchsetzen konnte. Ein außerordentlicher Erfolg ist das im April 2020 durch die DGPM etablierte CRONOS-Register für SARS-CoV2-infizierte Schwangere, in dem schon über 5.000 Fälle registriert wurden. Bei CRONOS arbeiten über 100 Klinken aus ganz Deutschland und Österreich mit. Die Analysen vom Team um Prof. Pecks können so verlässliche deutsche Daten zur Verfügung stellen.   

Doch auch auf anderen Bereichen war die Kompetenz unserer Gesellschaft gefragt – über 80 Anfragen für Stellungnahmen und Leitlinienverfahren wurden vom Vorstand in den letzten 2 Jahren bearbeitet. Und durch Prof. Rossi wurde die von der DGPM initiierte Leitlinie zur „Struktur der perinatologischen Versorgung in Deutschland“ in einem intensiven Prozess erfolgreich aktualisiert.  

30. Kongress der DGPM digital 2021  

Im November 2021 fand der 30. Kongress unserer Gesellschaft pandemiebedingt in digitaler Form statt. Fast 1000 Teilnehmer aus Deutschland und dem europäischen Ausland diskutierten in den 4 Tagen über fachliche Fragen, aber auch über die großen Herausforderungen unserer Zeit. Natürlich spielten die Erkenntnisse zur Covid-19 in mehreren Sitzungen eine große Rolle, aber auch die Auswirkungen der Digitalisierung oder der demographischen Veränderung auf die Perinatologie wurden diskutiert. Eine Hauptsitzung widmete sich den Folgen der Klimakrise auf Schwangerschaftskomplikationen und Gesundheit von Mutter und Neugeborenem.  

Mitgliederversammlung und Vorstandswahlen 2021 

In der Mitgliederversammlung der DGPM wurde dem bisherigen Präsidenten Prof. Rolf Schlösser für die herausragende Arbeit herzlich gedankt und die ausscheidenden langjährigen Vorstandsmitglieder Prof. Rolf Maier und Prof. Rainer Rossi mit großem Dank verabschiedet. Neu in den Vorstand wurden Frau Prof. Angela Köninger, Regensburg, und Prof. Holm Schneider, Erlangen, gewählt.  

Nach einem Beschluss von 2019 werden in 2022 die Kosten für den Bezug der ZGN um 3 € steigen. Damit erhöht sich der jährliche Beitrag auf 68 €. Mitglieder mit einer erteilten Einzugsermächtigung müssen sich um nichts kümmern, den anderen Mitgliedern sei die Umstellung auf diese unkomplizierte Form der Beitragszahlung empfohlen, da Sie damit auch die 10 € Bearbeitungsgebühr sparen können! 

Durch den neuen Präsidenten wurden die Aufgaben der kommenden Jahre umrissen. Diese liegen vor allem in der Sicherung einer hohen Qualität der Perinatologischen Versorgung in Zeiten von Mindestmengen, Personalmangel und Zentralisierung. Unsere Gesellschaft wird sich mit ihrer fachlichen Kompetenz auch in Zukunft aktiv in die gesellschaftlichen Diskussionen einmischen – im Interesse der uns anvertrauten schwangeren Frauen und deren Kindern! 

Es gibt viel zu tun – gemeinsam packen wir es an! 

Ihr  

Prof. Ekkehard  Schleußner 

Präsident der DGPM 

Wird eine COVID-19-Impfung generell für Schwangere, Stillende und Frauen mit Kinderwunsch empfohlen?

Schwangere Frauen können im Rahmen informierter partizipativer Entscheidungsfindung gegen SARS-CoV-2/COVID-19 geimpft werden. Die Impfung von Frauen mit Kinderwunsch und von Stillenden wird empfohlen. Die Sächsische Impfkommission (SIKO) empfiehlt eine generelle Impfung für schwangere Frauen. Ergänzend und in Einklang mit den gültigen STIKO-Empfehlungen empfehlen die medizinischen Fachgesellschaften, schwangere Frauen zu impfen. Zuvor soll eine offene und ausführliche Beratung zu persönlichen Expositions-, Infektions- und Erkrankungsrisiken, sowie zu möglichen persönlichen SARS-CoV-2/COVID-19-assoziierten Schwangerschaftsrisiken und der verfügbaren aber begrenzten Datenlage erfolgen.

Worauf stützt sich die Empfehlung der Fachgesellschaften?

Die Impfung bietet eine sehr wirksame Möglichkeit zur Vermeidung einer Infektion mit SARS-CoV-2 und einer COVID-19 Erkrankung in der Schwangerschaft und damit von schweren Erkrankungsverläufen mit Komplikationen für Mutter und Kind. Das Risiko im Falle einer Infektion in der Schwangerschaft schwer zu erkranken ist deutlich erhöht. Bisherige Nachbeobachtungsdaten zeigen keine speziellen oder vermehrten impfungs- oder schwangerschaftsassoziierten Risiken einer Impfung gegen COVID-19. Die Immunreaktion nach Impfung in der Schwangerschaft und Stillzeit, sowie der Nachweis von Antikörpern im Nabelschnurblut von Kindern geimpfter Mütter sowie in der Muttermilch wurden in ersten Arbeiten gezeigt.i Eine Leihimmunität, auch Nestschutz genannt, kann hierdurch ermöglicht werden.

Unterscheidet sich die Empfehlung in Bezug auf die Impfstofftypen: mRNA-basiert (BioNTech/Pfizer, Moderna) und Vektor-basiert (AstraZeneca, Johnson & Johnson)?

Da sich die derzeit verfügbaren Veröffentlichungen zu Sicherheit, Verträglichkeit und Wirkung der COVID-19-Impfung überwiegend auf mRNA-basierte Impfstoffe beziehen, geht die Empfehlung der Fachgesellschaften zu mRNA-Impfstoffen. Eine grundsätzliche Differenzierung oder Bevorzugung eines Impfstoffes kann jedoch aufgrund der Datenlage und der fehlenden Wahlfreiheit bei limitierten Impfressourcen derzeit nicht abschließend gegeben werden. Die individuelle patientinnenbezogene Beratung im professionellen ärztlichen Gespräch ist hier unabdingbar, auch um die wöchentlich zunehmenden neuen Erkenntnisse berücksichtigen zu können. An dieser Stelle sollte zusätzlich die aktuelle STIKO-Empfehlung zu den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen berücksichtigt werden.

Welche Daten gibt es zu einer möglichen COVID-19-Erkrankung während der Schwangerschaft oder Stillzeit?

Schwangere Frauen weisen im Falle einer SARS-CoV-2-Infektion ein erhöhtes Risiko auf, schwere Verläufe der COVID-19-Erkrankung, mit erhöhter Wahrscheinlichkeit einer intensivmedizinischen Therapie und Beatmungsnotwendigkeit sowie eine erhöhte Mortalität auf.ii Vorbestehende Risikofaktoren (mütterliches Alter > 35 Jahre, hoher BMI, chronischer Hypertonus, vorbestehender Diabetes) begünstigen zudem schwere Erkrankungsverläufen in der Schwangerschaft.iii Die Infektion mit SARS-CoV-2 bzw. eine COVID-19-Erkrankung geht mit einer erhöhten Häufigkeit von Schwangerschaftskomplikationen einher (z.B. Frühgeburtlichkeit, Präeklampsie).iv

Wie können sich Schwangere derzeit in Deutschland impfen lassen?

Es bestehen derzeit keine klar vordefinierten Strukturen. Eine Beratung durch den behandelnden Frauenarzt oder die behandelnde Frauenärztin und die individuelle Vereinbarung einer Impfung in einem Impfzentrum oder bei einem impfenden Arzt (z.B. Hausarzt, Betriebsarzt) ist der derzeit mögliche Weg. Die realen Hürden und Herausforderungen können dabei im Einzelfall und je nach Region sehr unterschiedlich sein und verlangen mitunter Geduld. Eine Priorisierung von Schwangeren für die Impfung wie in unseren Nachbarländern besteht in Deutschland nicht.

Ab welcher Schwangerschaftswoche sollte die Impfung während der Schwangerschaft durchgeführt werden?

Die Datenlage erlaubt derzeit keine Aussage zu einem optimalen Impfzeitpunkt, also weder für noch gegen einen bestimmten Zeitraum. Die verfügbaren Untersuchungen beziehen sich zumeist auf Impfungen im (zweiten und) dritten Schwangerschaftsdrittel und die ausgetragenen Schwangerschaften. In der Routine als praktikabel erscheint es sinnvoll, ab dem zweiten Schwanfgerschaftsdrittel (> 12. Woche) zu impfen, da die fetale Organbildung dann weitestgehend abgeschlossen ist. So lautet auch die aktuelle STIKO-Empfehlung. Die SIKO (Sächsische Impfkommission) empfiehlt eine Impfung "optimal 20.-24. Schwangerschaftswochen".

Gibt es einen empfohlenen Abstand zwischen der Geburt des Kindes und der Impfung der Mutter?

Es gibt hierzu keine bekannten Daten. Wir empfehlen in der Beratung entbundener Frauen eine Impfung sobald als möglich und gewünscht. Dies ergibt sich vielfach durch das Wochenbett selbst sowie die Impfstoffverfügbarkeit.

Welche Vorerkrankungen werden bei Schwangeren anerkannt?

Es gibt dafür keinen „Risikokatalog“. Berücksichtigt müssen die oben erwähnten Risikofaktoren wie Adipositas, vorbestehende Herz-Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck, vorbestehender und Schwangerschafts-Diabetes, aber auch die persönliche Gesamtkonstellation mit dem Ansteckungsrisiko im Beruf oder durch Kinder in der Familie. Eine Beratung durch den behandelnde/n FrauenärztIn und die individuelle Vereinbarung einer Impfung in einem Impfzentrum oder bei einem impfenden Arzt/Ärztin ist dafür zu empfehlen.

Kann die Impfung mit einem mRNA-basierten Impfstoff den Schutz auf das Kind übertragen?

Die Leihimmunität, der sog. "Nestschutz" über einen transplazentaren Übertritt mütterlicher Antikörper kann einen Schutz des Kindes ermöglichen. SARS-CoV-2-Antikörper im Nabelschnurblut von Kindern geimpfter Mütter sind mehrfach nachgewiesen worden.v Dies ist ein passiver Schutz, der das Kind nicht befähigt eigene Antikörper zu bilden, sondern nur so lange anhält, wie die Antikörper vorhanden sind. Auch in der Muttermilch sind Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen worden. vi Die passive Schutzwirkung des Stillens wirkt über den lokalen Schutz in den Schleimhäuten des Mund-Rachen-Magen-Darm-Traktes sowie der Atemwege

Warum haben die Impfstoffhersteller in ihren Studien die Teilnahme von schwangeren und stillenden Frauen ausgeschlossen?

Der Ausschluss schwangerer und stillender Frauen in Erstzulassungsstudien ist leider nicht unüblich, erfolgt zumeist aus Vorsicht, und beruht nicht auf einem begründeten oder belegten Risiko für diese Zielgruppe. Es gilt für die derzeitig zugelassenen COVID-19-Impfstoffe, dass zulassungsrelevante sogenannte DART (developmental and reproductive toxicology) Studien vorliegen (siehe die jeweiligen Assessment-Reports z.B. der EMA). Zudem werden seitens der Hersteller „aus Versehen geimpfte“ Schwangere oder nach Impfung im Nachbeobachtungszeitraum eingetretene Schwangerschaften nachverfolgt.

Gibt es in Deutschland Studien im Rahmen derer man sich als Schwangere impfen lassen kann?

Die derzeit rekrutierende Phase II/III Studie der Firma BioNTech/Pfizer rekrutiert in Deutschland leider keine Patientinnen. Lokale Beobachtungsstudien an geimpften Schwangeren sind verfügbar und können bei dem Beratungsgespräch erfragt werden. Bundesweit besteht die Möglichkeit Ihre personenbezogenen Daten dem CRONOS-Register der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) zur Verfügung stellen, da dieses neben infizierten und erkrankten Schwangeren auch geimpfte Schwangere einschließt. Gleiches gilt für das EMBRYOTOX-Register, das Ihnen eine gute Möglichkeit bietet den Wissenszuwachs zu unterstützen.

Inwiefern wäre es aktuell sinnvoll, die offizielle STIKO-Impfempfehlung zu ändern, um auch schwangeren Frauen eine COVID-19-Impfung ermöglichen?

Bereits jetzt können Schwangere und Stillende eine COVID-19-Impfung erhalten. Es werden sämtliche Erkenntnisse - positiv wie negativ - in den Beratungen der STIKO sowie in der stetigen Überarbeitung der Empfehlungen und Stellungnahmen zur Impfung Schwangerer, Stillender und Frauen mit Kinderwunsch diskutiert und berücksichtigt. Grundsätzlich sollten Schwangere nicht von Impfprogrammen ausgeschlossen werden. Vielmehr sollte insbesondere Schwangeren mit Vorerkrankungen, einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 oder hohem Expositionsrisiko gegenüber einer SARS-CoV-2-Infektion die Impfung nach einer Nutzen-Risiko-Abwägung und ausführlichen Aufklärung angeboten werden.

i Gray et al. „COVID-19 vaccine response in pregnant and lactating women: a cohort study”, Kelly et al. “Anti-SARS-CoV-2 antibodies induced in breast milk after Pfizer-BioNTech/BNT162b2 vaccination” doi: doi.org/10.1016/j.ajog.2021.03.023

ii Oakes et al. „Pregnancy as a risk factor for severe coronavirus disease 2019 using standardized clinical criteria“ dx.doi.org/10.1016/j.ajogmf.2021.100319 , Jering et al. “Clinical Characteristics and Outcomes of Hospitalized Women Giving Birth With and Without COVID-19” doi:10.1001/jamainternmed.2020.9241, Mullins et al. “Pregnancy and neonatal outcomes of COVID-19: co-reporting of common outcomes from PAN-COVID and AAP SONPM registries” doi: 10.1002/uog.23619, D´Antonio et al. “Maternal and perinatal outcomes in high vs low risk-pregnancies affected by SARS-COV-2 infection (Phase-2): The WAPM (World Association of Perinatal Medicine) working group on COVID-19”https://doi.org/10.1016/j.ajogmf.2021.100329 , Lokken et al. “Higher severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 infection rate in pregnant patients” https://doi.org/10.1016/j.ajog.2021.02.011

iii Allotey et al. „ Clinical manifestations, risk factors, and maternal and perinatal outcomes of coronavirus disease 2019 in pregnancy: living systematic review and meta-analysis” doi: doi.org/10.1136/bmj.m3320, Khoury et al. “Characteristics and Outcomes of 241 Births to Women With Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2 (SARS-CoV-2) Infection at Five New York City Medical Centers” doi: 10.1097/AOG.000000000000402

Wei et al. „The impact of COVID-19 on pregnancy outcomes: a systematic review and meta-analysis“ doi: 10.1503/cmaj.202604;, Mullins et al. “Pregnancy and neonatal outcomes of COVID-19: co-reporting of common outcomes from PAN-COVID and AAP SONPM registries” doi:10.1002/uog.23619

Atyeo et al. “COVID-19 mRNA vaccines drive differential Fc-functional profiles in pregnant, lactating,

and non-pregnant women“ Version 1. bioRxiv. Preprint. 2021 Apr 5. doi: 10.1101/2021.04.04.438404, Gray KJ, Bordt EA, Atyeo C, Deriso E, Akinwunmi B, Young N, et al. COVID-19 vaccine response in pregnant and lactating women: a cohort study. Am J Obstet Gynecol. 2021, Mithal et al. Cord blood antibodies following maternal coronavirus disease 2019 vaccination during pregnancy, Am J Obstet Gynecol. 2021 Apr 1;S0002-9378(21)00215-5. doi: 10.1016/j.ajog.2021.03.035.

Gray KJ, Bordt EA, Atyeo C, Deriso E, Akinwunmi B, Young N, et al. COVID-19 vaccine response in pregnant and lactating women: a cohort study. Am J Obstet Gynecol. 2021, Kelly JC, Carter EB, Raghuraman N, Nolan LS, Gong Q, Lewis AN, et al. Anti-severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 antibodies induced in breast milk after Pfizer-BioNTech/BNT162b2 vaccination. Am J Obstet Gynecol. 2021

 „Vater der Perinatalen Medizin“ und Gründungspräsident                       

der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) e.V.

und der

Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin (DGPGM) e.V.

Am 07.11.2021 verstarb Prof. Dr. med. Dr. med. h.c. (mult.) Erich Saling in seinem 97. Lebensjahr. Als „Vater des Faches“ hat er weit über seine aktive berufliche Karriere hinaus bis ins hohe Alter die Perinatal- und Geburtsmedizin – als deren Begründer er national wie international gilt - mitbestimmt.

Die Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) e.V. und die Dt. Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin (DGPGM) e.V. nehmen in großer Trauer Abschied von ihrem Gründungspräsidenten und möchten sein Lebenswerk würdigen!

Erich Saling wurde am 21. Juli 1925 geboren. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er ab 1946 Medizin an der Universität Jena, von wo er auf Grund politischer Verfolgung nach West-Berlin an die Freie Universität wechseln musste. Dort wurde er 1952 promoviert und wurde als Arzt approbiert.

Nach seiner Assistentenzeit in der ehemaligen Landesfrauenklinik Berlin-Neukölln (jetzt Vivantes Klinikum Neukölln) erlangte er 1958 die Anerkennung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

Außerhalb des akademischen Milieus begann er dort neben seiner medizinischen Ausbildung auch wissenschaftlich aktiv zu arbeiten und wurde im Jahr 1963 an seiner Alma Mater, der Freien Universität Berlin, habilitiert und im Jahr 1968 zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

1976 wurde Erich Saling Chefarzt der neu geschaffenen Abteilung für Geburtsmedizin an der Frauenklinik Berlin-Neukölln und zum Direktor des für ihn begründeten Instituts für Perinatale Medizin der FU Berlin ernannt. Im Jahr 1987 wurde er zum C4-Professor für Perinatale Medizin der Freien Universität Berlin berufen.

Auch nach seiner Emeritierung als Universitätsprofessor im Jahr 1991 blieb Erich Saling in dem von ihm 1993 gegründeten „Erich Saling Institut für Perinatale Medizin e.V.“ aktiv.

Mit seinen mehr als 600 wissenschaftlichen Veröffentlichungen und seinen technischen Innovationen im Bereich der Perinatalmedizin schuf er die Basis für unser Verständnis der feto-maternalen Medizin und trug entscheidend zum Verständnis der intrauterinen (Patho-)Physiologie bei.

1973 gründete er die erste internationale Zeitschrift auf dem Gebiet der perinatalen Medizin, das „Journal of Perinatal Medicine“.

Erich Saling setzte sich im Rahmen der Aus- und Weiterbildung sowie berufspolitisch persistent für die Entwicklung der Pränatal- und Geburtsmedizin ein: so gründete er 1967 mit der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) e.V. - die erste nationale Gesellschaft auf dem Gebiet der Perinatalen Medizin und etablierte den international renommierten „Kongress für Perinatale Medizin“ in Berlin, der in einigen Tagen zum 30. Mal stattfinden wird.

Im Jahr 1968 gründete er die erste internationale Gesellschaft für Perinatale Medizin, die European Association of Perinatal Medicine (EAPM) und 1990 die Deutsche Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin (DGPGM) e.V.

Von der Gründung der „International Academy of Perinatal Medicine“ (IAPM) im Mai 2005 bis November 2015 war Erich Saling deren erster Präsident. Seit 2016 war er „Lifelong President of the World Association of Perinatal Medicine (WAPM)“. Erich Saling war Ehrenmitglied in zahlreichen nationalen und internationalen Gesellschaften.

Seine wissenschaftlichen und beruflichen Leistungen wurden mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen und Auszeichnungen geehrt. Um nur einige zu nennen: Er erhielt den Maternité-Preis der DGPM (1974), die Goldmedallie der Haackert-Stiftung (1991), den William Liley-Preis der International Society „Fetus as a Patient“ (1997), die Carl Kaufmann Medaille, die höchste Auszeichnung der Dt. Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) (2006) und die Georg-Klemperer-Medaille der Ärztekammer Berlin (2013)

1988 wurde ihm die Ernst Reuter-Plakette der Stadt Berlin verliehen, im Jahr 2001 verlieh ihm Bundespräsident Johannes Rau das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Neben Ehren-Doktorwürden der Democritus-Universität in Alexandroupolis (Griechenland) und der Universidad de la República oriental in Montevideo (Uruguay), erhielt Erich Saling 2016 die Ehrenprofessur der Pirogov Russian National Research Medical University (Moskau) sowie 2017 die Ehrenprofessur des Medical Institute of Surgut State University (Russland).

Im zu Ehren gründete die WAPM den „Erich Saling Perinatal Prize“, der anlässlich des Weltkongresses der WAPM verliehen wird.

Die DGPM wird auf Ihrem 30. Kongress für Perinatale Medizin in wenigen Tagen ihrem Gründungsvater ehrend gedenken. Wieder wird die „Erich Saling-Lecture“ durch einen herausragenden Vertreter unseres Faches gehalten. Noch von ihm selbst dafür mit nominiert, wird Prof. Dr Ulrich Gembruch, Bonn, diese Vorlesung in seinem Sinne übernehmen.

Wir, seine Schüler und Nachfolger werden Erich Saling als kompetenten und engagierten Perinatalmediziner, Frauenarzt und Geburtshelfer in bleibender Erinnerung behalten.

Mit ihm hat die Geburtshilfe und Perinatale Medizin einen der ganz Großen verloren, an dessen Maßstäben wir uns auch in der Zukunft messen lassen werden!

Prof. Dr. Rolf Schlösser             PD. Dr. Dietmar Schlembach                      Prof. Dr. Ekkehard Schleußner
Präsident der DGPM                  Präsident der DGPGM                                  Vizepräsident der DGPM

Empfehlung für schwangere und stillenden Frauen

Eine Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin e.V. (DGPGM), der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin e.V. (DGPM) sowie der Nationalen Stillkommission (NSK)

unterstützt durch den Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF)

Zur vollständigen Stellungnahme