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„Hinterm Horizont geht’s weiter, zusammen sind wir stark“ 29. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin DGPM 2019 in Berlin

Als vor 50 Jahren in Berlin der erste „Perinatalkongress“ von Erich Saling eröffnet wurde, hatte ein Fortbildungskongress im Vergleich zu heute sicher eine völlig andere Zielrichtung. Es gab damals weder powerpoint-Präsentationen noch ein überall verfügbares Internet mit dem man „Dr Google“ befragen konnte. Auch standen keine evidenzbasierte Leitlinien zur Verfügung. Kongresse spielten daher eine wichtige Rolle, wenn es darum ging, mit seinem Wissen „up to date“ zu sein.

Heute kann problemlos auf nationale und internationale Leitlinien zugegriffen werden. Bei speziellen Fragestellungen steht online die aktuelle Literatur zur Information zur Verfügung. Metanalysen von prospektiv randomisierten Studien helfen bei der Umsetzung einer optimalen individualisierten Therapie. Man ist nicht mehr auf das „eigene Bauchgefühl“ oder die subjektive Meinung von selbst ernannten Spezialisten angewiesen. Also wozu noch Kongresse ?

Das Kongressmotto „Hinter dem Horizont geht’s weiter“ beschreibt sehr gut, dass es nicht ausreicht, sich nur daran zu orientieren, was gerade im Blickfeld ist. Es ist nicht ausreichend nur bis zum Horizont „up to date“ zu sein, sondern es ist entscheidend, heute die richtigen Weichen für eine optimale Entwicklung in der Perinatalmedizin zu stellen.

Neue Diagnosemöglichkeiten wie die Omicstechnologien, Gentherapien und Stammzelltherapien sind nur einige der Fragestellungen, die uns in Zukunft beschäftigen werden. Die Digitalisierung und der Einsatz der Künstlichen Intelligenz (KI) werden zentrale Zukunftsaufgaben sein, die sinnvoll in die Betreuung der uns anvertrauten Patienten eingebunden werden müssen. Der unkritische Einsatz von Analysen aus großen Datenmengen (Big data) kann in Einzelfällen sogar den Tod des uns anvertrauten Patienten verursachen. Hier ist die gemeinsame Diskussion aller Berufsgruppen die sich mit „Perinatalmedizin“ befassen gefragt, um Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen. Neben der Diskussion in den zahlreichen Vortrags- und Postersitzungen spielt jedoch auch der persönliche Kontakt in den Pausen oder bei den Abendveranstaltungen eine wichtige Rolle. Das persönliche Gespräch ist trotz Digitalisierung ein ganz entscheidender Faktor um bei vielen sehr komplexen Fragestellungen noch einen „Durchblick“ zu bekommen.

Das Zitat „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“ belegt treffend, wie anspruchsvoll der Blick in die Zukunft ist. Das Zitat wird neben dem Komiker Karl Valentin, dem Politiker Winston Churchill, dem Autor Kurt Tucholsky aber auch dem Naturwissenschaftler Nils Bohr zugeschrieben. Das zeigt, dass nicht nur Wissenschaftler mit dem Problem „Zukunft“ befasst sind, sondern dass auch Kultur und Politik einzubinden sind, wenn es darum geht, einigermaßen zuverlässige Weichen für die Zukunft zu stellen. Die Politik spielt für die Umsetzung einer guten Qualität der Betreuung eine wichtige Rolle. Mit einer unzureichenden Finanzierung und wenig durchdachter Struktur der Kliniken kann keine optimale Qualität der medizinischen Betreuung umgesetzt werden. Es wird daher auf dem Kongress kritisch hinterfragt, ob die derzeitige Politik mit der Umsetzung von sog. Planungsrelevanten Qualitätsparametern nicht auf dem falschen Weg in die Zukunft unterwegs ist.

Der Kongress hat aber auch weiterhin eine zentrale Aufgabe, wenn es darum geht das derzeitige Wissensgebiet bis zum Horizont zu beleuchten. Dabei ist sicher der wissenschaftlich vorhandene Horizont meist deutlich breiter und weiter als der individuelle Horizont der Einzelperson. Ist man zusätzlich kurzsichtig, was ja auch in jungen Jahren schon möglich ist, dann verschwinden am Horizont automatisch viele Details. Mit der Altersweitsichtigkeit sieht man zwar sehr gut in die Ferne, Probleme vor Ort sind aber meist nicht mehr zuverlässig zu erkennen. Es macht daher Sinn, wenn man den „wissenschaftlichen Horizont“ im Rahmen eines Kongresses gemeinsam beleuchtet. Dies führt zweifelsohne zu einer Erweiterung des eigenen Horizontes. Es wird am Kongress die ganze Bandbreite des Wissens bis zum Horizont ausgeleuchtet. Die aktuelle Literatur wird diskutiert, aber es wird auch in zahlreichen Kursen die Möglichkeit geboten seine handwerklichen Fähigkeiten zu verbessern.

„Zusammen sind wir stark“: Ein weiterer Vorteil des interdisziplinären Kongresses ist, dass hier die Fachbereiche Geburtshilfe – Neonatologie – Hebammenkunde gleichrangig vertreten sind.
Ein Kongress macht daher auch heute noch Sinn macht. Man bekommt einen zusammenfassenden Überblick über den derzeitigen Wissenstand. Der gemeinsame Blick hinter den Horizont hilft, die Weichenstellung für die nächsten Jahrzehnte richtig zu planen. Im eigenen, sowie im Namen des Kongresspräsidenten Rolf Schlößer sowie des Vorstandes der DGPM laden wir Sie herzlich zum nächsten Kongress für Perinatale Medizin vom 28. – 30. November 2019 nach Berlin ein. Aktuelle Informationen erhalten Sie über www.dgpm- kongress.de

Mit freundlichen Grüßen
Ihr F. Kainer (Präsident der DGPM)

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