Am 03. Dezember 2025 verstarb der Nestor der deutschen Plazenta- und Paidopathologie im Alter von 87 Jahren in Berlin. Für seine Verdienst um die Entwicklung der Perinatalmedizin wurde im Jahre 2019 Prof. Vogel der MATERNITÉ -Preis verliehen - die höchste Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin, deren Mitglied er seit ihrer Gründung 1967 war.
Martin Vogel wurde am 13.09.1938 Dobbrikow, einem Dorf südlich von Berlin geboren. Nach seinem Abitur in West-Berlin und Studium in Homburg/Saar und an der Freien Universität Berlin begann er seinen beruflichen Weg im Institut für Pathologie am Krankenhaus Berlin-Moabit. Durch seinen Chef Karlferdinand Kloos wurde er für die Pathologie der Perinatalperiode sensibilisiert, dass dann zum zentralen Thema seines wissenschaftlichen Oeuvres über die folgenden Jahrzehnte werden sollte. 1975 verteidigt an der FU Berlin seine Habilitationsschrift zum Thema „Plazentagröße und -struktur als Voraussetzung für den Wachstumsstand des reifegeborenen Kindes bei der Geburt, mit besonderer Berücksichtigung der Plazentationsstörung“. Schon 1976 wird er auf die Professur für Allgemeine Pathologie und Pathologischen Anatomie der FU Berlin berufen, wo er 1977 Leiter der neugegründeten Abteilung für Paidopathologie und Plazentologie wurde. Diese Position begleitet er auch nach dem Umzug 1990 in den neuen Charité-Campus am Virchow-Klinikum bis zu seiner Emeritierung 2002.
Durch seinen innovativen Ansatz der Feto-Plazentaren Einheit, d.h. Plazentamorphologie und -funktion konsequent mit dem fetalen Wachstum und Reifung zusammen zu denken, wurde er zu einem Motor der Perinatalen Medizin in Deutschland und Europa. Durch ihn angestoßen etablierte sich in der klinischen Praxis, dass zu der Diagnostik eines kranken Neugeborenen immer auch die patho-anatomische quantifizierte Plazentauntersuchung dazu gehört. Und er selbst setzte dieses auch im klinischen Alltag mit der Etablierung interdisziplinärer Perinataler Konferenzen zur Besprechung von Totgeburten und neonatal verstorbenen Kindern an der FU Berlin und später der Charité um.
In seiner wohl einflussreichsten Publikation, dem „Atlas der morphologischen Plazentapathologie“, fasste Professor 1992 seine umfassenden Kenntnisse zusammen und prägte über Jahrzehnte die Plazentologie weltweit. Eine Neuauflage dieses Standardwerkes in englischer Sprache erschien 2019.
Auch nach seiner Emeritierung blieb Prof. Vogel wissenschaftlich aktiv und gab seinen reichen Erfahrungsschatz in Tutorials, Vorträgen und Gastvorlesungen im In- und Ausland weiter. Seine letzte Publikation datiert vom Jahr 2022 – natürlich zu einem Plazenta-Thema!
Wir gedenken einem der Pioniere der Perinatalen Medizin, der Wege aufgezeigt hat, auf denen seine Nachfolger auch in Zukunft unseres Faches gestalten werden.
Für die DGPM
Prof. Dr. Ekkehard Schleußner
Prof. Dr. Joachim Dudenhausen